Wir sind noch nicht übern Berg
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| Werner Sülberg zu den Voraussetzungen für einen Aufschwung |
Es gibt eindeutige Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland erholt. So wird nach dem Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute in diesem Jahr der Rückgang der Wirt-schaftsleistung mit 5 Prozent vermutlich geringer ausfallen als zunächst erwartet.
Für 2010 sehen die Forscher gute Chancen, dass ein Wachstum von 1,2 Prozent erreicht wird – der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet gar mit plus 2 Prozent. Dies sind zwar hoffnungsvolle Nachrichten nach dem tiefen Absturz, den die Wirtschaft auch in unserem Verbandsgebiet seit dem vergangenen Sommer erlebt hat.
Andererseits sind wir von dem Niveau der Jahre 2007/2008 noch weit entfernt. Wenn der Aufschwung im bisherigen Tempo weitergeht, haben wir rein rechnerisch in gut zwei Jahren wieder den Stand vor der Rezession erreicht.
Die Erholung wird also lange dauern. Denn es ist zu erwarten, dass sich die Krise erst mit Verzögerung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Arbeitszeitkonten sind geleert. Die Kurzarbeit läuft in vielen Unternehmen aus. Zugleich stellen die Firmen fest, dass trotz verbesserter Geschäfts- und Auftragslage im nächsten Jahr die Produktion voraussichtlich nicht über den Stand des Jahres 2006 hinausgehen wird. Die Betriebe müssen deshalb ihre Sach- und Personalkapazitäten weiter nach unten anpassen. Im Gegenzug wird die Arbeitslosigkeit zunehmen, wenngleich die ganz großen Entlassungswellen ausbleiben dürften.
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| Geht es bald wieder heiß her? Noch klagen viele Betriebe über zu wenig Arbeit. Foto: Eifrig |
Darüber hinaus hat der beginnende Aufschwung ein weiteres Handicap: Er steht unter dem Vorbehalt einer ausreichenden Unternehmensfinanzierung. Nach Einschätzung der Forschungsinstitute hat sich die Lage der Banken in Deutschland noch nicht so weit stabilisiert, dass mit einer „normalen“ Kreditvergabe zu rechnen ist. Dies bestätigen auch Erfahrungsberichte aus unseren Mitgliedsunternehmen, die für die Zukunft ein verknapptes Kreditangebot und eine Verschlechterung ihrer Finanzierungsbedingungen befürchten. Nach der Bewältigung der Krise folgt also für die Firmen eine weitere schwierige Phase: Belebt sich die Geschäftstätigkeit, steigt der Finanzierungsbedarf.
Die Sicherung der Unternehmensfinanzierung ist deshalb der mit Abstand wichtigste Punkt der wirtschaftspolitischen Agenda der neuen Bundesregierung. Außerdem müssen wir zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zurückkehren. Unter keinen Umständen aber darf es in unserem Land neue Belastungen für Wirtschaft und Arbeit geben. Das sind die Bedingungen, unter denen Deutschland vom kommenden Aufschwung profitieren und die Krise bewältigen kann.
Denn es zeichnet sich zwar ab, dass die wirtschaftliche Talfahrt zu Ende geht. Aber wir sind noch immer auf der Talsohle und noch längst nicht übern Berg. |