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Nach harten Einschnitten startet Automobil-Zulieferer Eberspächer wieder durch – und gestaltet zum Beispiel das Elektro-Auto mit

So klingt die Zukunft

Bild: Damit man den Elektromotor hört: Im „Rinspeed iChange“ ist das neue Sound-System von Eberspächer schon eingebaut.
Damit man den Elektromotor hört: Im „Rinspeed iChange“ ist das neue Sound-System von Eberspächer schon eingebaut. Es leistet einen wichtigen Dienst: Weil das Auto sonst leicht überhört wird.

Bald fahren Sie vielleicht schon einen Diesel, der wie ein Benziner klingt. Oder ein Elektro-Fahrzeug, das sich wie ein „richtiges“ Auto anhört – damit es von Fußgängern und Radlern nicht überhört wird. Auf Knopfdruck stellen Sie den Motorsound ein: super leise, sportlich oder elegant. Mit solchen Innovationen gestaltet der Zulieferer Eberspächer aus dem schwäbischen Esslingen die automobile Zukunft.

Bei Eberspächer legt die Nachfrage wieder leicht zu. In der Metall- und Elektro-Industrie insgesamt scheint beim Auftragseingang der rasante Absturz beendet (siehe Grafik). Auch hier geht es wieder aufwärts – bislang aber nur in sehr kleinen Schritten.

Bild: Wie hört sich ein Auto am besten an?
Wie hört sich ein Auto am besten an? Eberspächer-Mitarbeiter Jan Krüger mischt den Motor-Klang am Computer zusammen. Fotos: Mierendorf (2), Werk (2)

Viele Unternehmen gewinnen mit Innovationen wieder Boden. Eberspächer verspricht sich viel von seinem „ActiveSound“- beziehungsweise „ActiveSilence“-System. „Es ist eine völlig neue Technologie für Schalldämpfung und Sound-Design“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Martin Peters. „Die ist für sparsame Verbrennungsmotoren ebenso geeignet wie für Elektro-Fahrzeuge.“

Das lautsprechergestützte System kann Abgasgeräusche auch leiser machen, indem es Lärm durch „Antischall“ verringert. Es ist aber nur eine von vielen Innovationen, mit denen Eberspächer aufwartet.

Von der Krise voll erwischt ...

Bild: Wunsch-Klang am Display auswählen.
Wunsch-Klang am Display auswählen: Mit „ActiveSound“ kann ein Diesel wie ein Benziner klingen oder ein Vierzylinder wie ein Achtzylinder.

Das Familienunternehmen ist einer der Weltmarktführer für Abgastechnik und Fahrzeugheizungen und hat sich auch im Zukunftsmarkt Fahrzeugelektronik einen Namen gemacht.

Eberspächer (weltweit 5.500 Mitarbeiter) wurde von der Krise voll erwischt: Dem Jahr 2008, einem der besten in der über 140-jährigen Firmengeschichte, folgte eines der schlechtesten. Peters verdeutlicht das Ausmaß: „Unser Umsatz fällt in diesem Jahr um ein Drittel schwächer aus, wir schreiben rote Zahlen.“

Bild: Eberspächer-Chef Martin Peters
So sieht’s aus: Eberspächer-Chef Martin Peters vor einem eingebauten „ActiveSound-System“. Der Klang kommt aus einem Lautsprecher.

Konjunkturelle Auftragseinbrüche versucht das Unternehmen mit Kurzarbeit zu überstehen. So in Esslingen und in Herxheim (Pfalz), wo brennstoffbetriebene und elektrische Fahrzeug-Heizungen hergestellt werden. „Wir gehen in diesen Produktgruppen von einem befristeten Phänomen aus“, sagt Peters. „Strukturell“ bedingte Rückgänge, zum Beispiel weil Autohersteller längerfristig weniger produzieren, erfordern dagegen langfristige Anpassungen: Das Unternehmen musste aus diesem Grund die Produktion von Abgastechnik an zwei kleineren Standorten einstellen. In Deutschland gingen 420 Arbeitsplätze verloren, weltweit 920 – in erster Linie befristete Stellen und solche von Zeitarbeitern.

Grafik: Leichter Anstieg

Der Kurs in die Zukunft sieht für Peters so aus: „Wir nutzen die vielfältigen Chancen der aktuellen Technik und bearbeiten verwandte Produktfelder.“ Ein Wachstumsmotor wird der Nutzfahrzeugmarkt in den USA sein. 2010 tritt dort eine neue Abgasnorm für Trucks in Kraft. Die Folge: Einfache Abgasrohre verwandeln sich in regelrechte kleine Chemie­Fabriken. Peters: „Eine solche Norm kommt ab 2013 auch in Europa.“

... aber die Nachfrage zieht wieder an

Eine steigende Nachfrage erwartet der Firmenchef außerdem für die elektronischen Steuergeräte von Eberspächer: Ein Oberklasse-Wagen enthält heute bis zu 70 Geräte, die über Netzwerke miteinander kommunizieren. Auch für diese Netzwerke bietet das Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen.

Peters sagt: „Ich bin zuversichtlich, dass wir 2010 wieder moderat wachsen, zumal wir noch nie so breit aufgestellt waren wie jetzt.“

Joachim Sigel