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Jede siebte Stelle fällt weg: Warum der Rollenhersteller Tente den harten Schnitt macht

Rolle vorwärts

Bild: Arsim Sejdiu prüft Rollen für Krankenhausbetten
Alles fest? Arsim Sejdiu prüft Rollen für Krankenhausbetten. Pro Schicht schafft er 950 Stück.

Neue Hoffnung für die Metall- und Elektro-Industrie. Im Mai konnte sie 4,6 Prozent mehr Aufträge reinholen als im April. Im Jahresvergleich gab es aber einen deutlichen Rückgang: minus 30,8 Prozent. Das stellt die Betriebe vor Probleme.

Nichts ist unmöglich!“, lautet ein bekannter Werbespruch. „Der stimmt leider“, klagt Paul Mutz. „Früher schwankten bei uns die Bestelleingänge höchstens um 5 bis 10 Prozent in die eine oder andere Richtung. Dass sie aber von jetzt auf gleich um 30 Prozent nach unten rauschen, das war für
uns bisher unvorstellbar!“, sagt der Geschäftsführer der Tente Rollen GmbH.

So kann man sich irren. Im letzten August war Mutz noch guter Dinge: Dem Unternehmen Tente in Wermelskirchen bei Köln, das seine Rollen unter anderem für Transportkarren, Krankenhausbetten und OP-Tische herstellt, ging es so gut wie nie: „Für uns war klar – 2008 wird ein Rekordjahr. Und 2009 noch besser.“

Die anderen Stellen langfristig sichern

Doch dann, Ende September, gingen die Bestellungen stark zurück. Zwar schaffte die Firma mit einem Jahresumsatz von 88 Millionen Euro trotzdem noch eine neue Bestmarke, doch aus dem für 2009 geplanten Anstieg auf 90 Millionen Euro wird nichts. Mutz: „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt von nur noch 60 Millionen Euro aus.“
Bild: Geschäftsführer Paul Mutz
Geschäftsführer Paul Mutz: „Wir hatten keine Alternative zum Stellenabbau. Jetzt sind wir für die Zukunft gerüstet.“

Das Beispiel Tente zeigt, wie Deutschlands Paradebranche Metall und Elektro von der Krise erwischt wird. In vielen Unternehmen droht deshalb der harte Schnitt – trotz Kurzarbeit. Sie könnten bald gezwungen sein, Arbeitsplätze zu streichen.

Bei Tente ist das schon der Fall. Da sich die Lage seit dem letzten Herbst nicht gebessert hat, müssen 57 von zuletzt 430 Mitarbeitern gehen, jeder siebte Beschäftigte. „Die Entscheidung fiel uns nicht leicht“, bedauert Mutz. „Doch nur so können wir die anderen Stellen langfristig sichern.“

Zusammenarbeit mit Hochschulen

Der Betriebsratsvorsitzende Armin Lange stärkt ihm den Rücken: „Wer die schlechten Zahlen ausblendet, handelt grob fahrlässig“, so der IG Metaller. Er hofft, dass bald das Schlimmste überstanden ist.

Da die Firma über eine vielfältige Produktpalette verfügt, ist Geschäftsführer Mutz
zuversichtlich, dass das Auftragspolster bald wieder dicker wird. Tente fertigt Rollen in den verschiedensten Ausführungen – von 14 Millimeter Durchmesser bis 500 Millimeter. Rollen, die mit zehn Kilo belastbar sind und solche, die selbst zwölf Tonnen aushalten. Ob Möbel, Reinigungsgeräte oder Einkaufswagen: Für alles, was rollen soll, hat Tente die passenden Produkte parat.
Bild: Betriebsrat Armin Lange
Betriebsrat Armin Lange: „Die Zahlen zwangen zum schnellen Handeln.“

Mit ein Grund dafür, dass die Firma trotz Flaute zusätzliche Kunden gewinnen konnte.

Nur die bestellen zu wenig, um das Auftragsminus auszugleichen.

Deshalb setzt Mutz neben Investitionen in die Technik auch auf völlig neuartige Rollen – mit Unterstützung von Hochschulen. Mehr möchte er allerdings nicht verraten. Einen Hoffnungsschimmer gibt es bereits. Der Einzelhandel plant große Investitionen: So will etwa der Lebensmittelkonzern Rewe bis 2011 hierzulande 274 neue Supermärkte eröffnen. Dafür werden auch neue Einkaufswagen benötigt. Gut für Tente: Die Firma hat die entsprechenden Rollen im Angebot.

Wilfried Hennes

Info: Tente Rollen GmbH

Der Rollenhersteller Tente beschäftigte Ende vergangenen Jahres rund 430 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 88 Millionen Euro. Zwei Drittel davon steuerte der Export bei. Das Unternehmen gehört zur Tente International GmbH, Köln, einer Firmengruppe, die 1.000 Mitarbeiter hat und zuletzt 152 Millionen Euro umsetzte. Sie besteht aus 22 Gesellschaften in 16 Ländern; der Betrieb in Wermelskirchen ist die größte.