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Beispiel ThyssenKrupp Steel: Miteinander reden ist schon die halbe Miete

Was tut eigentlich ein Kultur-Mittler?

Bild: Peter Trube
Peter Trube

Betriebe sind oft ein Motor der Integration von Deutschen und Ausländern und viel wird dafür getan, dass es gut läuft. Zum Beispiel bei ThyssenKrupp Steel in Duisburg. Peter Trube ist dort seit 2002 Kultur-Mittler. In schwierigen Wirtschaftszeiten ist seine Arbeit besonders wichtig.

Interview

Blickpunkt: Wie wird man ein Kultur-Mittler ?
Trube: Jeder siebte Kollege bei uns im Stahlwerk hat eine Migrationsgeschichte. Die meisten sind türkischer oder kurdischer Herkunft. Nach den Anschlägen 2001 in New York wurden sie plötzlich misstrauisch beäugt. Sogar langjährige Kollegen. Die Stimmung war: Jeder Türke ist ein Islamist! Da gab es das Angebot, einige Vertrauensleute als ehrenamtliche Kultur-Mittler ausbilden zu lassen. Vertrauensleute werden innerhalb der Gewerkschaft gewählt und haben schon einen gewissen Bekanntheitsgrad im Betrieb.

Blickpunkt: Was tun Sie konkret?
Trube: Nichts Spektakuläres eigentlich. Wie in vielen anderen Betrieben auch saßen bei uns im Pausenraum die Deutschen auf der einen Seite und lasen Bild. Auf der anderen saßen die Türken und lasen Hürriyet. So etwas wollen wir aufbrechen und die Leute miteinander ins Gespräch
bringen.

Blickpunkt: Wie viele Kultur-Mittler sind es im Stahlwerk Duisburg?
Trube: Wir sind 70 bei knapp 13.000 Beschäftigten. Wir können am jeweiligen Arbeitsplatz etwas machen, aber immer nur punktuell.

Blickpunkt: Zum Beispiel?
Trube: Im Leitstand des Hochofens sind zwei Türken und ein Deutscher zusammen. Die beiden Türken unterhalten sich auf Türkisch der Deutsche denkt, die reden über mich, wird misstrauisch. Aufgrund solcher Erfahrungen hat einer unserer türkischen Kultur-Mittler die Parole ausgegeben: Ich antworte ab jetzt auf Deutsch, wenn ich auf Türkisch angesprochen werde.

Bild: Mitarbeiter von ThyssenKrupp Steel in Duisburg
Mitarbeiter von ThyssenKrupp Steel in Duisburg: „Am Ende gab es ein Fußballturnier.“ Foto: Caro

Blickpunkt: Vermitteln Sie auch bei inhaltlichen Konflikten?
Trube: Es gab immer wieder Streit über Urlaub. Die türkischen Kollegen würden gern während der gesamten Som­merferien freinehmen, weil sie oft mit dem Auto in die Türkei fahren und ihre Verwandtschaft besuchen. Die deutschen Kollegen haben aber ebenfalls schulpflichtige Kinder. Und von 30 Mann pro Schicht können nur 5 gleichzeitig in Urlaub gehen. Es ist wichtig, dass die Leute sich absprechen und sich nicht gegenseitig die Schuld zuschieben. Das hat nichts mit Deutsch oder Türkisch zu tun, beide haben berechtigte Interessen. Derzeit ist das nicht so aktuell, wegen der Kurzarbeit.

Blickpunkt: Wie wirkt sich überhaupt die Wirtschaftskrise auf das Miteinander von Deutschen und Ausländern aus?
Trube: Bei unserem diesjährigen Tag gegen den Rassismus gab es schon mal Bemerkungen: Ihr steht hier und macht was mit Kultur, gleichzeitig will man Arbeitsplätze wegrationalisieren kümmert euch um die wichtigen Dinge! Aber gerade in dieser Situation darf man zwei Gruppen der Belegschaft nicht gegeneinander ausspielen.

Blickpunkt: Und mit dieser Botschaft finden Sie Gehör?
Trube: Dazu ein Beispiel: Thyssen­Krupp baut ein Stahlwerk in Brasilien, 200 brasilianische Kollegen wurden hier eingearbeitet. Anfangs hieß es: Ich soll denen was zeigen, und dann nehmen die mir den Job weg! Aber am Ende luden die Kollegen die Brasilianer zu einem Fußballturnier ein. Einige haben immer noch Kontakt per E-Mail.

Interview: Matilda Jordanova-Duda