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Armaturen-Hersteller Hansgrohe kämpft konsequent gegen Produktpiraten

Bei Fälschungen gibt’s keine Gnade

Bild: Werner Heinzelmann
Wirkungsvoll: Werner Heinzelmann, hier mit einem echten (links) und zwei gefälschten „Raindance“-Duschköpfen, beobachtet zunehmenden Respekt gegenüber den Eigentumsrechten seiner Firma. Fotos: Sigwart, Werk

Stellen Sie sich vor, Sie erfinden etwas Tolles. Dann kommt jemand daher, baut es nach – und verkauft es zu einem Spottpreis.

Das Problem hat der Armaturen-Hersteller Hansgrohe aus Schiltach im Schwarzwald (weltweit 3.200 Mitarbeiter) oft.

100 gravierende Fälle seit 2001

Es tauchen immer wieder Fälschungen seiner Produkte auf. So wurden kürzlich auf der weltgrößten Sanitär-Fachmesse ISH in Frankfurt unter anderem Duschköpfe gesichtet, die dem erfolgreichen Modell „Raindance“ zum Verwechseln ähnlich sehen. Hansgrohe alarmierte Patent-Anwälte und den Zoll. Und ließ gleich an zehn Messeständen Kopien beschlagnahmen – eine Riesen-Aktion.

Für Werner Heinzelmann ist das Routine. Er leitet bei Hansgrohe die Abteilung „Patente“, die für den Kampf gegen den Ideenklau eingerichtet wurde. Er will sich von Fälschern nichts gefallen lassen: „Auf den Messen in aller Welt kennt man unsere Gesichter schon. Während wir vorne am Stand freundlich begrüßt werden, versteckt am anderen Ende eine junge Chinesin hinter ihrem Rücken einen Brausekopf.“

Den unmittelbaren Schaden durch Produktkopien schätzt Hansgrohe auf 3 Prozent des Netto-Umsatzes. Dazu kommt der Image-Schaden, weil die Plagiate oft gravierende Mängel in Sachen Qualität und Sicherheit haben. Mitunter werden gar gesundheitsschädliche Materialien verwendet, oder mangelhafte Verarbeitung kann zu Verletzungen führen.

Bild: Fahnder
Zugriff: Fahnder stellen Mitte März in Frankfurt gefälschte Hansgrohe-Artikel sicher.

2 bis 3 Millionen Euro jährlich investiert das Unternehmen in den Kampf gegen Plagiate. Und verfolgt konsequent jede einzelne Verletzung von Schutzrechten. Vor Gericht ist es oft erfolgreich, auch in China hat es schon Urteile gegen Produktpiraten erwirkt.

Seit 2001 hat Hansgrohe rund 100 schwerwiegende Fälle verfolgt. Etwa 80 von ihnen sind erfolgreich abgeschlossen worden: Die Fälschungen wurden vernichtet und die Fälscher haben Unterlassungserklärungen unterschrieben sowie Schadenersatz gezahlt.

Heinzelmann geht mit seinem Team ungefähr 50-mal pro Jahr gegen Plagiate vor. Er ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: „Gerade bei unserem Raindance-Duschkopf stellen wir fest, dass die Wettbewerber inzwischen verstärkt Abstand zu unseren Schutzrechten halten.“

Rut Katzenmaier