Das falsche Spiel
mit der Zeitarbeit
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| Stephan Stracke,
Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für den Kreis
Olpe e.V. |
Spätestens seit ihrem Leipziger Gewerkschaftstag im vergangenen
November wissen wir, was für die IG Metall zählt: Mitglieder,
Mitglieder und nochmals Mitglieder. Deshalb hat die Gewerkschaft nun
eine neue Klientel entdeckt: die boomende Branche der Zeitarbeit. Während
sie diese jahrezehntelang als „Leiharbeit“ diffamierte, versucht
sie jetzt, dort mit Macht organisatorisch Fuß zu fassen.
Gegen Mitgliederwerbung ist an sich nichts einzuwenden. Fragwürdig
wird es allerdings, wenn man sich dabei rabiater Methoden bedient.
Beispiel gefällig? Im Februar 2008 überreichte die DGB-Tarifgemeinschaft
Zeitarbeit zusammen mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und dem Interessenverband
Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) dem Bundesarbeitsminister den
Tarifvertrag für Mindestarbeitsbedingungen. Zugleich wurde die Aufnahme
in das Entsendegesetz beantragt, obwohl hier derzeit überhaupt keine
Entsendeproblematik besteht. Danach verschickte die IG Metall Briefe
an Zeitarbeitsunternehmen, in denen sie diese ultimativ unter massiver
Androhung von Konsequenzen aufforderte, ein vorformuliertes „Fairness-Abkommen“ zu
unterschreiben.
Damit versucht die IG Metall bei den Zeitarbeitsfirmen generell höhere
Standards durchzusetzen. Beispielsweise sollen Zeitarbeiter mit der jeweiligen
Stammbelegschaft im Entleihbetrieb „gleichgestellt“ werden
und einen eigenen Betriebsrat wählen dürfen. Die Firmen sollen
sich zudem verpflichten, eben jenen neuen Tarifvertrag einzuhalten, der
gerade von DGB, BZA und IGZ geschlossen wurde. Letztlich geht es der
IG Metall darum, den neuen Tarifvertrag über Mindestarbeitsbedingungen
flächendeckend durchzusetzen. Und zwar auch dann, wenn keine direkte
tarifliche Anwendung in Betracht kommt – oder die Aufnahme ins
Entsendegesetz scheitern sollte.
Diese Vorgehensweise ist vor allem eine Kampfansage an die Mitgliedsfirmen
des AMP (Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister).
Der hat im Gegensatz zu den anderen beiden Verbänden einen Tarifvertrag
mit christlichen Gewerkschaften geschlossen, dessen Einstiegslöhne
etwa 30 bis 50 Cent unter dem DGB-Tarif liegen. Mit dem sogenannten „Fairness-Abkommen“ würden
sich die AMP-Firmen verpflichten, nicht ihren eigenen Tarifvertrag anzuwenden,
sondern einen fremden. Die Hauptstoßrichtung dieser Aktion ist
klar: Unliebsame Wettbewerber wie die kleinen christlichen Gewerkschaften
sollen ausgeschaltet werden.
Gesamtmetall und seine Mitgliedsunternehmen der Metall- und Elektro-Industrie,
wo gerade einmal knapp 6 Prozent der Beschäftigten Zeitarbeiter
sind, sehen diese Vorkommnisse äußerst kritisch. Für
sie ist die Zeitarbeit gerade in Zeiten schwankender Firmenkonjunkturen
ein wichtiger Stabilisator der Stammbelegschaften. Zeitarbeit schafft
Flexibilität, um zum Beispiel Auftragsspitzen abzufedern oder urlaubs-
und krankheitsbedingte Fehlzeiten auszugleichen.
Dennoch dürften Zeitarbeiter nicht so viel verdienen wie Festangestellte,
betont Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser. Denn nach den bisherigen
betrieblichen Erfahrungen seien viele in der Regel nicht so produktiv
wie das Stammpersonal, und sie verfügten meist auch nicht über
das gleiche Know-how. Anderenfalls würde die Zeitarbeit viel Attraktivität
verlieren – mit möglicherweise fatalen Folgen. Für 30
Prozent der zuvor meist Langzeitarbeitslosen ist die Zeitarbeit eine
Brücke in eine reguläre
Beschäftigung. |