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Schrauben-Spezialist Schriever drängt in einen Markt, der großes Wachstum verspricht

Medizin-Technik im Blick

Bild: Geschäftsführer Jan Schriever
Geschäftsführer Jan Schriever: „Anfangs hatten wir überhaupt kein Gefühl für den Markt.“

Es ist eine Branche mit gesundem Wachstum. Die deutsche Medizin-Technik-Industrie setzt im Jahr 17 Milliarden Euro um, zwei Drittel mehr als noch zur Jahrtausendwende.

Tendenz: stark steigend. Und davon möchte der sauerländische Unternehmer Jan Schriever profitieren.

Auf der Messe Blut geleckt

Vor ihm liegt ein Häuflein Schrauben. Keine aus dem Baumarkt. Es sind Spezialschrauben. Die schneiden sich ihr Gewinde beim Hereindrehen selbst.

Sitzen bombenfest. Selbst, wenn man sie zigmal rein- und rausgeschraubt hat. Eine Mutter? Überflüssig! Deshalb sparen die Schriever-Kunden bei der Montage Zeit und Geld.

Bild:  Prüfen, prüfen und noch mal prüfen
Prüfen, prüfen und noch mal prüfen: Vor der Auslieferung stehen zahlreiche Kontrollen, auch per Computer. Schriever produziert bis zu acht Millionen Schrauben – pro Tag. Und verarbeitet dafür tonnenweise Draht.
Bild: Prüfungen auch am Computer.

Die Schrauben des Lüdenscheider Herstellers fahren in unseren Autos mit: im Airbag und in der Befestigung der Sicherheitsgurte. Sie halten zu Hause oder im Büro elektrische Schalter zusammen.

Und jetzt finden sie auch Verwendung in der Medizin-Technik. In vielen Apparaturen stecken winzigkleine Pumpen. Zum Absaugen von Flüssigkeiten. „Für solche Pumpen beispielsweise sind unsere Schrauben ideal“, sagt Geschäftsführer Schriever.

Als sein Betrieb vor zwei Jahren auf die ersten Medizin-Technik-Firmen zuging, „hatten wir überhaupt kein Gefühl für den Markt“, räumt er ein. „Wir kannten niemanden.“

Also fuhr Schriever zu einer Fachmesse nach Düsseldorf, kam ins Gespräch. Schon zwei Wochen später war er mit dem ersten Pumpenhersteller im Geschäft: „Da hatten wir Blut geleckt.“ Heute beliefert der Mittelständler rund 40 Unternehmen der Medizin-Technik. Produzenten von HNO-Geräten etwa. Aber auch die Firma Carl Zeiss, die für ihre Hochleistungs-Mikroskope bekannt ist. Doch die verkauften Stückzahlen halten sich in Grenzen.

Zahl der Kunden vervierfacht

Während die Auto-Industrie in aller Regel Millionen von Schrauben bestellt, sind es bei der Medizin-Technik oft nur zwischen 10.000 und 100.000 Stück. Schriever stellt insgesamt bis zu acht Millionen Schrauben her – pro Tag.

Bild: Hochleistungs-Mikroskop von Carl Zeiss Jena
Hochleistungs-Mikroskop von Carl Zeiss Jena: Das weltbekannte Unternehmen gehört zu den 40 Kunden aus der Medizin-Technik. Fotos: dpa, Wirtz (4)

Aber die kleinen Auflagen rechnen sich. Weil der Betrieb bei der Vermarktung und Produktion einen neuen Dreh fand. So gibt es jetzt im Inter-net einen Schriever-Shop.

Hier landen alle überzähligen Schrauben. Der Kunde kann per Mausklick hineinschauen, ob was für ihn dabei ist. Vor allem die Firmen der Medizin-Technik nutzen dieses Angebot rege.

Jetzt investiert der Betrieb in eine neue Fertigungsplanung, die es ermöglichen soll, kleine Serien kostengünstiger herzustellen. Eine raffinierte Software stellt die Chargen so zusammen, dass die Rüstzeiten minimiert werden. Im Juni soll das Programm anlaufen.

Das ist auch dringend nötig. Vor vier Jahren hatte das Unternehmen nur 140 Kunden, heute sind es 600. Und es werden täglich mehr. Schriever: „Da muss man sich schon etwas einfallen lassen.“

Wilfried Hennes

Info: Hans Schriever GmbH & Co. KG

Der Lüdenscheider Schraubenproduzent Schriever beschäftigt rund 60 Mitarbeiter. Das Familienunternehmen setzte im vergangenen Jahr fast 9 Millionen Euro um. Davon entfielen 25 Prozent auf den Export. Die Schrauben gehen vor allem an die Auto-, Elektro- und Kunststoffindustrie – und seit zwei Jahren auch an Hersteller der Medizin-Technik.