Den
Laden zusammenhalten
Diese Elektro-Firma steht solide da, hat drei glänzende
Jahre hinter sich. Doch dann kam die Krise. Jetzt kurzarbeiten? Nach
dem Staat rufen?
Der Unternehmenschef geht einen
anderen Weg
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| Unternehmer Walter Mennekes: Macht mehr als 1
Million Euro locker für einen Beschäftigungspakt. Fotos:
Dorn (2), Eifrig (4) |
Beate Camen legt los, vor ihr zig Kunststoffteile. Greift nach einem
Schraubendreher, der an einem Haken baumelt. Ein leichtes Zischen – und
schon hat die Arbeiterin zwei Schrauben in ein rotes Gehäuse gejagt.
Bis zu 140-mal macht sie das pro Stunde. Reine Routine. Doch jetzt hat
sich etwas geändert.
Die Frau, die mit dem Druckluft-Schrauber so emsig Gehäuse
für Starkstrom-Steckdosen zusammenbaut, arbeitet nun täglich
zwei Stunden weniger. Bei ihrem Arbeitgeber, dem Elektrotechnik-Unternehmen
Mennekes im sauerländischen Kirchhundem, gingen die Aufträge
deutlich zurück: in den ersten drei Monaten um
ein Fünftel verglichen mit dem Vorjahres-Quartal.
Bis zu 150 Stunden
ins Minus
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| Arbeitet zwei Stunden pro Tag weniger, bei vollem
Lohn: Auch Beate Camen profitiert vom Beschäftigungspakt. |
In einer solchen Lage fahren die meisten Betriebe Kurzarbeit. Doch
der Hersteller
von Starkstromsteckern und
-dosen entschied anders: Firmenchef Walter Mennekes schloss mit dem
Betriebsrat einen Beschäftigungspakt ab.
So hat das Familienunternehmen die Arbeitszeiten verkürzt und
fährt die Zeitkonten bis zu 150 Stunden ins Minus. Die Löhne
aber bleiben gleich – anders als bei der Kurzarbeit, die mit finanziellen
Einbußen verbunden ist. Sie kostet im Übrigen auch die Betriebe
Geld, da deren feste Kosten weiterlaufen, ohne dass sie entsprechende
Umsätze und Einnahmen haben.
Sobald die Konjunktur wieder anzieht, so das Kalkül von Walter
Mennekes, gleichen die Mitarbeiter das Konto mit Mehrarbeit aus.
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| Betriebsrat Manfred Behle (mit Personalleiter
Dietmar Spurk, rechts): „Die Leute haben ein wenig Planungssicherheit.“ |
Der Beschäftigungspakt läuft ein halbes Jahr. Und kostet die
Firma mehr als 1 Million Euro. Die steht trotz Krise noch gut da, hat
drei glänzende Jahre hinter sich. Mennekes sieht sich in der sozialen
Verantwortung: „Von jetzt auf gleich Kurzarbeit – das
wäre so, als würden sie jemandem unter der Dusche das Wasser
abdrehen.“ Alternative zur
Kurzarbeit
Beispiel Familienvater: Mit einem monatlichen Bruttoentgelt
von 2.500 Euro erhält
er netto rund 1.850 Euro. Bei Kurzarbeit und einem Produktionstag
pro Woche weniger, käme der Arbeiter netto nur noch auf 1.740 Euro – ein
Minus von mehr
als 100 Euro. Personalleiter Dietmar Spurk: „Das wäre
für viele schmerzhaft.“
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| Timo Stöcker: „Klar, dass ich jetzt
Geld zurücklege.“ |
Stattdessen haben die Produktions-Mitarbeiter sechs Monate Zeit, Geld
für den Ernstfall zurückzulegen – oder Zahlungsverpflichtungen
neu auszuhandeln. Dass die Mitarbeiter jetzt Planungssicherheit
haben, ist auch für Betriebsrat Manfred Behle wichtig: „Das
motiviert die Leute und hält den Laden zusammen.“ Beate Camen spart kräftig: „Früher fuhren wir oft übers
Wochenende weg, das verkneifen wir uns jetzt.“ Im letzten Jahr,
als Mennekes noch unter Hochspannung produzierte, kam sie auf über
100 PlusStunden. Jetzt sind es 87 „Miese“. Ihr Mann,
der bei einer Schmiede arbeitet, ist schon auf Kurzarbeit.
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| Wolfgang Pätzold: „Bin jetzt für
den Ernstfall vorgewarnt.“ |
Auch Timo Stöcker, dessen Anlage pro Stunde 3.600 Steckerkontakte
in Form bringt, sorgt für den Fall vor, falls es noch dicker kommt,
und auch Mennekes Kurzarbeit anmelden muss: „Klar, dass ich Geld
zurücklege.“ Wolfgang Pätzold müsste bei Kurzarbeit jeden Euro gleich dreimal
umdrehen. „Gut, dass wir eine Vorwarnzeit haben.“
Noch aber kommt das volle Gehalt aufs Konto. Aber wie lange noch? Mennekes
lässt sich seine Zuversicht nicht nehmen: „Der Firmenname
beginnt mit ,M’ wie ,mutig miteinander’ und endet mit ,s’ wie
,sozial’. So soll es bleiben.“
Wilfried Hennes |