Ausgebremst –
aber noch in der Spur
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| Stephan Stracke
zur Krise in
der Autobranche |
Die Autoindustrie hat Probleme – und die wirken sich in ganz NRW aus. Ein Beispiel dafür ist die ZulieferIndustrie im Kreis Olpe. Als viele mittelständische Betriebe in den letzten Monaten ihre Produktion herunterfahren mussten, haben sie zunächst die Arbeitszeitkonten der Beschäftigten abgebaut. Doch dies reichte zuletzt häufig nicht mehr aus: Besonders im Raum Attendorn und im Umkreis von Olpe schnellten bei den Automobil-Zulieferern die Kurzarbeiterzahlen in die Höhe.
Kurzarbeit ist erst einmal gekaufte Zeit. Möglicherweise wird es in einem halben Jahr zu Entlassungen kommen, falls keine Besserung in Sicht ist. An der schwierigen Situation vieler Auto-Zulieferer gibt es also nichts zu beschönigen.
Andererseits gibt es aber auch keinen Grund zur Panik. Vergleichbar starke Geschäftseinbrüche von 20 bis 25 Prozent gab es schon in den Jahren 1974/75 und 1992/93. Natürlich mit dem Unterschied, dass es damals nicht so abrupt nach unten ging wie diesmal.
Zudem sind viele mittelständische Zulieferer im Olper Land heute viel besser aufgestellt als in früheren Krisenzeiten - mit marktfähigen Produkten und modernen Fertigungsanlagen. Immerhin gibt es in der Region auch einige Unternehmen, die sich in den ersten Wochen des Jahres 2009 gegen die Einführung von Kurzarbeit stemmen konnten. Weil sie beispielsweise für gefragte neue Automodelle fertigen.
Und auch die Abwrackprämie hilft, die Folgen der Krise etwas abzufedern. Sie hat einen Boom im Autohandel ausgelöst, wovon auch die Kraftfahrzeugteile-Hersteller profitieren. Neue Autos sind auf einmal ein großes Thema, denn es weckt Emotionen. Verkaufspsychologisch ist dies ein wichtiger Faktor, weil sich das nachhaltig auf das Kundeninteresse auswirkt.
Dennoch lassen sich die Probleme nicht wegdiskutieren: Der Automarkt erlebt einen Strukturwandel: Es gibt Überkapazitäten. Das zeichnete sich schon vor der Finanzkrise ab. Es wurde nur lange durch Maßnahmen wie Tageszulassungen kaschiert.
Vor diesem Hintergrund müssen direkte staatliche Hilfen für einen Autobauer gut durchdacht sein, weil jede staatliche Unterstützung zu Wettbewerbsverzerrungen führt und somit Konkurrenten schädigt.
Natürlich ist man gerade im Kreis Olpe am Überleben des traditionsreichen Autoherstellers Opel interessiert. Alleine schon deshalb, weil viele für diese Marke produzieren. Im Übrigen würde selbst eine Insolvenz dieser Automobilfirma nicht zwangsläufig deren Aus bedeuten. Gerade das moderne deutsche Insolvenzrecht ist nicht auf Zerstörung, sondern auf den Erhalt von wirtschaftlichen Werten ausgerichtet. Ein Unternehmen wie Opel hätte die Chance, sich neu aufzustellen.
In der Branche ist jetzt vieles in Bewegung. Egal ob Leichtbau, Hybridmotor oder Elektroantrieb: Die neuen Trends werden die gesamte Struktur der deutschen Automobilwirtschaft nachhaltig verändern.
Stephan Stracke ist Geschäftsführer
des Arbeitgeberverbandes für den Kreis Olpe e.V. |