Wie der Kraftwerkbetreiber
Vattenfall
in einer Pilot-Anlage das Klima schützt
Treibhausgas
ab in
die Erde
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| Es funktioniert schon: Das im Kühlwasser-Dampf enthaltene Treibhausgas CO2 wird abgetrennt und in Lkws gepumpt. |
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Die Wolken über dem Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ südlich von Cottbus sind weithin sichtbar. Es ist Kühlwasser-Dampf, der bei der Produktion von Strom und Wärme entsteht. Unsichtbar steigt auch Unerwünschtes in den Himmel: Kohlendioxid (CO2).
Die farblose Substanz entsteht hier beim Verbrennen von täglich 36.000 Tonnen Braunkohle. Als „Treibhausgas“ hält es die Wärme in der Atmosphäre. Je mehr CO2 unsere Zivilisation in die Luft bläst, desto stärker wird sich das Weltklima erwärmen. Ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt im Kraftwerk Schwarze Pumpe könnte einen Weg aus der Klima-Falle weisen.
Tüfteln am
Wirkungsgrad
Seit Sommer 2008 betreibt der Eigentümer des Kraftwerks, der Vattenfall-Konzern, neben den beiden wuchtigen 800-Megawatt-Meilern auch eine sogenannte Oxyfuel-Pilotanlage: ein separates 30-Megawatt-Dampfkraftwerk, das so gut wie kein Treibhausgas emittiert. Wie das
geht, erklärt der für den „Luftzerleger“ und die „CO2-Anlage“ zuständige Projektleiter Mario Biele: „Zunächst wird die fein gemahlene Kohle mit reinem Sauerstoff und rückgeleitetem Rauchgas verbrannt – das ist die Voraussetzung, damit das Abgas einen hohen Anteil von mehr als
80 Prozent CO2 enthält.“ Dieses wird dann abgetrennt. „Es wird verdichtet, getrocknet und auf minus 45 Grad Celsius abgekühlt, dadurch wird es flüssig – und alle unerwünschten Bestandteile
bleiben draußen.“
Am Ende
ist es chemisch fast rein –
99,7 Prozent Kohlendioxid.
Beide Teilschritte, das Zerlegen der Luft für die Sauerstoff-Produktion und das Abtrennen des Kohlendioxids, sind Strom-Fresser: Sie vermindern den Wirkungsgrad von 42 Prozent, dem Standard für ein modernes Braunkohle-Kraftwerk, auf etwa 34 Prozent.
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| Hoffnungsträger: Neben dem 1.600 Megawatt starken Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ betreibt Vattenfall diese 30-Megawatt-Pilotanlage. |
Man arbeitet bei Vattenfall allerdings daran, diesen Wirkungsgrad-Verlust mit vorgetrockneter Kohle und heißerem Dampf auszugleichen.
Das CO2 wird in Tanklaster gepumpt und ins 330 Kilometer nordwestlich gelegene Maxdorf bei Salzwedel gebracht. Dort soll es für immer unter die Erde – und auch noch einen Zweck erfüllen: 100.000 Tonnen werden bis zum Jahre 2012 versuchsweise in einem fast ausgeförderten Erdgasfeld verpresst, wenn die letzten behördlichen Genehmigungen erteilt sind.
3.300 Meter
tief in die Erde
Jan Weinreich, Sprecher der Gaz de France Produktion Exploration Deutschland: „Wir wollen herausfinden, ob sonst nicht förderbares Erdgas gewonnen werden kann.“ Kohlendioxid drängt das Erdgas aus der porösen Gesteinsstruktur und lagert sich an dessen Stelle ein. „Die Stätte in 3.300 Metern Tiefe ist für die Lagerung geologisch gut geeignet“, so Weinreich.
Dass das CO2 entweicht, ist nach Ansicht der Experten extrem unwahrscheinlich.
Trotzdem wird alles mit unabhängiger wissenschaftlicher Hilfe überwacht. Weinreich: „Das Pilotprojekt steht unter behördlicher Aufsicht, alle Anlagen sind gesichert und unter ständiger Kontrolle.“ CO2 ist zwar ungiftig, führt aber in hoher Konzentration zum Ersticken – weil dann zu wenig Sauerstoff in der Luft ist.
Uwe Rempe |