Industrie unter Hochspannung: Sie
tüftelt an den Kraftwerken von morgen
Alles nur eine
Frage der Technik
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Eon-Baustelle in Datteln: Obwohl das Kohlekraftwerk in Sachen Umweltschutz neue Maßstäbe setzen wird, ist es heftig umstritten.
Fotos: Siemens, picture alliance |
Schlechte Zeiten für neue Kohlekraftwerke. Wo immer sie geplant sind, regt sich Widerstand – und auch der Bau des Eon-Kraftwerks, den wir rechts im Bild zeigen, ist umstritten.
Dabei soll die Anlage, deren Kühlturm sich bereits 180 Meter in den Himmel von Datteln in Nordrhein-Westfalen reckt, so umweltfreundlich sein wie keine andere.
Es wird Steinkohle verfeuert – mit einem bislang weltweit unerreichten Wirkungsgrad von 45,5 Prozent. Je produzierter Kilowattstunde Strom werden dabei rund 740 Gramm des Klimagases Kohlendioxid freigesetzt. Das ist ein Siebtel weniger, als die bestehenden rund 40 Steinkohlekraftwerke im Schnitt in die Luft pusten.
Ersatz für alte Dreckschleudern
Datteln ist der vorläufige Endpunkt einer jahrzehntelangen Technik-Entwicklung (siehe Grafik). Die Steinkohle-Kraftwerke holen immer mehr Energie aus der Kohle heraus – und liegen deutlich besser als die von Klimaschützern besonders kritisierten Braunkohle-Kraftwerke.
Zwar liegt der Wirkungsgrad von modernen Erdgas-Kraftwerken noch höher. Doch da kann Deutschland, anders als bei der Kohle, nicht auf heimische Reserven zurückgreifen. Atomkraft ist bekanntlich umstritten. Und
erneuerbare Energien erzeugen gerade mal 16 Prozent des deutschen Stroms. „Selbst wenn wir den Anteil bis
2030 auf 30 Prozent steigern, müssen wir immer noch
70 Prozent herkömmlich
produzieren“, argumentiert Hildegard Müller, die Chefmanagerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.
Deshalb müsse man weiter in konventionelle Kraftwerke investieren. Nur so können wir alte Dreckschleudern vom Netz nehmen. Am Standort Datteln zum Beispiel will Eon gleich drei Kraftwerke abschalten. Denn das neue Kraftpaket
soll mit einer einzigen Turbine 1.100 Megawatt Strom
erzeugen. Das funktioniert nur mit extrem hohen
Dampf-Temperaturen um die 600 Grad.
Und es geht noch heißer: Mittlerweile werden Turbinen entwickelt, die selbst 700 Grad auf Dauer aushalten. Schon in fünf Jahren soll das erste Kraftwerk damit laufen – und auf über 50 Prozent Wirkungsgrad kommen. Die deutschen Hersteller von Öl-, Gas- und Kohlekraftwerken tun damit viel für das Klima, nicht nur bei uns: Sie machen von ihren 26 Milliarden Euro Jahresumsatz drei Viertel im Export.
Wilfried Hennes |