Schauspieler Dominic Boeer über den Soli und die
Freude an der Umverteilung
Wir brauchen auch einen
Aufbau West!
 |
| Nachholbedarf: Zu wenig Geld für die Straßen im Westen. Fotos: dpa (2) |
Das war echt abgefahren: Ende letzten Jahres erkannte ein Kandidat in der ZDF-Show „Wetten, dass“ deutsche Autobahnstrecken – anhand kleiner Filme. Das brachte mich auf eine tolle Wett-Idee: Dass ich trotz verbundener Augen im Auto merke, ob
ich gerade über eine west- oder ostdeutsche Autobahn chauffiert werde.
Okay, ein blöder Scherz. Schließlich hat jetzt auch schon die „Magdeburger Volkszeitung“ gemerkt, dass die neuen Bundesländer „oft bessere Straßen, neuere Schulen und modernere Leitungen haben“ als der Westen. Und es wird noch schöner zwischen Elbe und Oder: Bis 2019 werden per Soli nochmals insgesamt 150 Milliarden Euro Richtung Thüringen, Sachsen & Co. gepumpt.
Da stellt sich die Frage, ob wir uns das angesichts klammer Kassen noch leisten können, anstatt uns lieber mit effektivem Wachstum zu beschäftigen.
Ist es nicht dem Erfolg der
leistungsorientierten, westdeutschen Wirtschaft zu verdanken, dass überhaupt in großem Stil umverteilt werden konnte? Wann wird auch die Polit-Elite erkennen, dass eine Fortführung dieser Praxis
die wirtschaftliche Dynamik hemmt und so den gesamtdeutschen Wohlstand aufs Spiel setzt? Fakt ist: Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall hängt der Osten immer noch wirtschaftlich vom Westen ab.
Die Debatte um den Soli nimmt manchmal kuriose Züge an – dann nämlich, wenn etwa der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch, in einer Sendung der ARD sagt, dass es „den Menschen im Osten eigentlich um Anerkennung“ geht, also nicht so sehr ums Geld. Zurecht könnte jetzt der Fabrikarbeiter aus Duisburg einwerfen – dann schick ich
einfach ein paar nette Worte
gen Osten. Und gebe meinen
Soli-Beitrag dem notleidenden Revier und NRW: Denn hier ist jede zweite Straße marode.
West-Städte
bluten aus
Seit vielen Jahren warten im Westen längst überfällige Projekte mangels Geld auf ihre Umsetzung. Beispiel Oberhausen: Die Stadt hat zwar mit 6.000 Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller kreisfreien Städte in NRW, muss aber weiterhin alljährlich Millionen-Beiträge in die Verschönerung der Ost-Regionen abzwacken, die jetzt teils besser dastehen als die alten Bundesländer.
Vernünftig ist so etwas nicht. Aber populär. Unsere Politiker haben nämlich wieder Freude an der Umverteilung. Dabei muss das viele Geld erst einmal erarbeitet werden.
Im November ist es exakt
20 Jahre her, dass die Mauer unter großem Jubel verschwand. Wetten, dass uns der Soli noch lange treu bleibt?
Vita
Dominic Boeer ist Schauspieler und Dozent für politische Kommunikation an der Wirtschaftshochschule ISM in Dortmund.
Derzeit steht er in der ZDF-Serie„SOKO Wismar“ als Polizist Pöhlmann vor
der Kamera. |