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Kommentar von Werner Sülberg, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes, zu den Perspektiven 2010

Heimische Wirtschaft weiter unter Druck

Bild: Werner Sülberg
Werner Sülberg zu den Perspektiven 2010

Trotz vieler Positiv-Meldungen – zur Entwarnung ist es noch viel zu früh: Auch 2010 dürfte für viele Unternehmen ein sehr schwieriges Jahr werden. Vielleicht noch schwieriger als 2009.

Das gilt ebenso für die Industrie, die ihren Sitz in der Region des Märkischen Arbeitgeberverbandes hat. Zwar scheint die Talsohle der Finanz- und Wirtschaftskrise durchschritten, der Weg nach oben bis zum Vorkrisen-Niveau ist aber auch in unserer Region noch lang und risikoreich.

Denn bei Aufträgen und Produktion klafft gegenüber dem früheren Stand nach wie vor eine Riesenlücke. Zudem haben die Betriebe zunehmend mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen, weil ihre Liquiditätsreserven schmelzen und die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger werden. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer aktuellen Konjunk­tur­umfrage unseres Verbandes.

Umso bemerkenswerter ist der Kraftakt, mit dem die heimischen Firmen bisher den Abbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen begrenzt haben. Sicher ist die Arbeitslosigkeit in der Märkischen Region aufgrund der großen Bedeutung des produzierenden Gewerbes zum Jahreswechsel stärker gestiegen als im Landes- oder Bundesdurchschnitt – trotzdem sind die Zahlen besser als erwartet. Dieser Erfolg ist nicht selbstverständlich und hat im Wesentlichen zwei Ursachen.

Erstens war und ist es die staatlich geförderte Ausdehnung der Kurzarbeit, die auch bei uns vermehrte Entlassungen verhindert hat. Bislang hält also die „Beschäftigungsbrücke“ Kurzarbeit und wird auch in diesem Jahr 2010 ein wichtiges Instrument der Beschäftigungssicherung bleiben. Für diesen Zweck mehr Geld auszugeben, gehört nach meiner Überzeugung zu den klügeren Entscheidungen der Politik.

Aber Kurzarbeit erklärt nicht alles. Hinzu kommt zweitens die besondere Kultur und Verantwortung des Mittelstandes gegenüber den Belegschaften, die die Unternehmen gegenwärtig regelrecht Arbeitsplätze horten lässt. Wo immer es möglich ist, halten sie ihre Mitarbeiter, nicht zuletzt aus der Überzeugung, sie bald wieder zu brauchen. Ob das jedoch in allen Fällen auf Dauer gelingt, ist fraglich. Schließlich sind wir als exportorientierte Industrieregion von der Weltwirtschaft abhängig.

nd wenn die nicht bald stärker anzieht, wird ein weiterer Jobabbau nicht mehr zu verhindern sein.
Demgegenüber scheint die Rezession bei der Ausbildungsbereitschaft kaum Spuren hinterlassen zu haben. Laut Konjunkturumfrage wollen weit über 90 Prozent der teilnehmenden Betriebe die Zahl der Ausbildungsplätze beizubehalten oder sogar zu erhöhen.

Das bedeutet konkret: Von einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der heimischen Industrieunternehmen kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Bei ihnen hat sich die Einsicht gefestigt, dass sich angesichts der demografischen Entwicklung Investitionen in die Ausbildung auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten lohnen. Schließlich ist es schon jetzt nicht leicht, geeigneten Facharbeiter-Nachwuchs zu finden.