Neuentwicklung macht staubfreies Bohren möglich
Asbest: Dieses Ding schluckt die Gefahr weg
Verboten ist der Einbau des gefährlichen Stoffs seit 1993: Asbest. Aber auch heute noch erkranken Menschen an den Folgen der tückischen Fasern, an Krebs oder Asbestose.
3.600 beruflich bedingte Neu-Erkrankte zählte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) allein 2008 – Folgen des unvorsichtigen Umgangs damit in den 60er- und 70er-Jahren. „Bis zur Erkrankung kann es mehr als 40 Jahre dauern“, so Heinz Otten von der DGUV in Sankt Augustin (bei Bonn).
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| Wenn der Estrich Asbest enthält: Mit einem neuen Spezialsystem können Arbeiter nun schadstofffrei bohren. Ein Spezial-Staubsauger fängt jede Faser ein – selbst beim Ausblasen des Bohrlochs (unten). Fotos: Stüken (2) |
Mit Asbest kann man kaum vorsichtig genug umgehen.Jede Verbesserung ist da willkommen. Zum Beispiel für asbesthaltige Industrieböden.
Um ihre Gesundheit müssen die darauf arbeitenden Beschäftigten zwar nicht fürchten. Zumindest, solange die Fasern im Estrich fest gebunden sind. Doch was ist, wenn Maschinen umzustellen und dafür Bohrungen nötig sind?
„Das muss doch
einfacher gehen“
Bisher war das eine Gratwanderung: Mit Sondergenehmigung der Gewerbeaufsicht, einem eigentlich nur
für Außenarbeiten zugelassenen Verfahren und Schutzanzug ging man zu Werke. Oft mussten die Hallen evakuiert und nach dem Bohren wieder von den Fasern gereinigt werden. „Das kann es nicht sein“, sagte man sich bei der Firma Hubert Stüken in Rinteln (Weserbergland), einem Hersteller von Präzisionsteilen aus Metall. „Das muss doch besser, sicherer und einfacher gehen!“, fand Dirk Schulz, Projektingenieur bei Stüken. Die Tüftler entwickelten ein neues Gerät.
Dessen Kernstück ist ein unförmig gebogenes Rohr, das die Bohrstelle umgibt.Dadurch saugt ein Spezial-Sauger den frei werdenden Staub ab. Ist das Loch gebohrt, schwenkt man eine Klappe darüber, führt durch eine Öffnung eine Druckluftpistole ein, bläst das Bohrloch aus und saugt Staub und Fasern zugleich ab. Ergebnis: „Damit kann man schadstofffrei arbeiten. Mit den aktuellen Methoden sind da keine Fasern messbar“, berichtet Schulz. „Und man kann bei laufendem Betrieb bohren, kein Beschäftigter muss die Halle verlassen.“
Nach akribischen Messungen hat das Institut für Arbeitsschutz in Sankt Augustin die Methode anerkannt. Ein weiterer Punktsieg im Kampf gegen Asbest.
JW |