Wie retten wir die Wirtschaft? Das kommt ganz auf die Perspektive an!
Deutschlands bunte
Wunschliste
 |
| Große
Pläne:
Mit einer Mond-Mission will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Wirtschaft ankurbeln – erst einmal unbemannt ...
Foto: dpa |
Es gibt angeblich viele
Wege zum nächsten Aufschwung. Einer führt über das Weltall: Mit einem „Konjunkturprogramm Mond“ will das in Köln ansässige „Deutsche Zentrum
für Luft- und Raumfahrt“ die Wirtschaft auf Trab bringen. 350 Millionen Euro soll die Bundesregierung dafür locker machen, dass eine unbemannte Sonde „Made in Germany“ ab dem Jahre 2012 den Erdtrabanten kartografiert.
Der Vorschlag brächte gewiss ein paar Jobs für Hochqualifizierte. Doch erst einmal sind die Mondfahrer bei der Regierung abgeblitzt. Aber wer weiß, vielleicht schnüren unsere Politiker ja noch ein drittes oder viertes Konjunktur-Paket. Das Jahr ist noch lang. Außerdem befinden wir uns im Super-Wahljahr 2009! Wen wundert es da, dass sich jetzt Leute mit den ausgefallensten Ideen zu Wort melden. Und Deutschland zankt sich um Geld, das gar nicht da ist.
So empfiehlt das Deutsche Studentenwerk dringend „mit W-LAN ausgestattete Mensen“. Surfen beim Spachteln – als Signal dafür, dass der deutsche Staat im Abschwung entschlossen gegensteuert?
Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, in dem die Konkurrenten der Deutschen Telekom vereint sind, hatte sich als Schwerpunkt der Konjunktur-Ankurbelung gewünscht, „dass bald alle Bürger von einem breitbandigen Internet-Zugang profitieren können“. Und die Provider von mehr Umsatz.
Diese Bitte wurde von unseren Politikern jetzt erhört.
Die Regierung will den Wunsch nun im Rahmen des zweiten
50 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramms umsetzen – bis zum Jahr 2018. Dann sollen alle Haushalte zwischen Ostsee und Alpen über das schnelle Internet verfügen
können.
Der Ärzteverband Marburger Bund muss dagegen hoffen,
dass der chronisch klamme Finanzminister bald noch mehr Milliarden locker macht. Die Ärzte-Lobby will Steuer-Gelder in die Taschen derjenigen Mediziner lenken, die in der Forschung arbeiten. Hingegen teilt der Caritas-Verband Bayern mit, es sei „an der Zeit, dass der Freistaat für bedürftige Schulkinder ein kostenloses Mittagessen finanziert“.
Sorglos leben
auf dem Lande
Der Verband der Schulbuchverlage wirbt, vermutlich völlig ohne Hintergedanken: Ausgaben für bessere Lehrmittel „haben eine ganz sichere Rendite“. Alles Unfug, sagt der Bäder-Unternehmer Josef Wund aus Friedrichshafen. Wirklich wichtig sei in dieser Lage, den Tourismus im heimischen Land anzukurbeln. Und es gibt noch eine tolle Idee: Der Bauernverband will durch eine „Risikoausgleichsrücklage“ die älteste Säule unserer Wirtschaft für alle Zeiten wetterfest machen.
Barbara Auer |