Kirchhoff Automotive hat die Krise besser gemeistert als die meisten
anderen Kfz-Zulieferer. Wie kriegt dieses Unternehmen das hin?
Hier packt
man
kräftig an
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Mann mit Mumm: Boanan Saed mit einer Stoßstange für den Fiesta, die ein Roboter gerade zusammengeschweißt hat.
Fotos: Roth (2), dpa |
Hinter einem roten Vorhang zucken grelle Blitze, ein Schweißroboter verbeißt sich in Metall. Heraus kommen Stoßstangen. Für den Ford Fiesta. Boanan Saed, der Mann mit den dicken Muskeln, nimmt die Teile, hängt sie in ein Gestell – und guckt nach, ob sein stählerner „Kollege“ gut gearbeitet hat.
Saed arbeitet bei Kirchhoff Automotive in Iserlohn – einem Kfz-Zulieferer mit 3.200 Mitarbeitern, davon 1.200 in Deutschland. Als Zeitarbeitnehmer fing er bei dem Familienunternehmen an, im letzten August. Während viele andere Betriebe der Branche noch in eine ungewisse Zukunft steuern, ist Kirchhoff der Flaute schon davongefahren. Nur in den ersten fünf Monaten 2009 war die Firma zu Kurzarbeit gezwungen, seitdem produziert sie wie in guten Zeiten. Und braucht deshalb Verstärkung wie den Muskelmann Saed.
Das Unternehmen steht in der Krise so gut da, weil es „über ein ausreichendes Eigenkapital-Polster verfügt“, erklärt Ulrich Schröder, in der Geschäftsführung verantwortlich für Marketing und strategische Planung. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, Kredite zu wirtschaftlich vernünftigen Konditionen zu erhalten.“ Mit der Folge, dass Kirchhoff weiter kräftig investieren kann – in neue Produkte etwa.
Die Firma fertigt Metallstrukturteile, Achsenträger, Stoßstangen, Armaturentafelträger – aber auch komplette Module wie den Vorderwagen. Also alles, was aus Metall unter der Außenhaut eines Autos steckt. Und das meist aus leichten und hochfesten Stählen.
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| Auf dem Rhein: Der Fiesta ist ein Renner – gut für Kirchhoff. |
Hierzulande zerbrechen sich 80 Kirchhoff-Ingenieure den Kopf darüber, was die Automarken für ihre Modelle von morgen brauchen. „Wir nehmen unseren Kunden auch die komplette
Entwicklungsarbeit ab“, sagt Schröder. Das sei wichtig, um im Geschäft zu bleiben.
Starke heimische Basis unverzichtbar
Denn: Die großen Marken wollen die Zahl ihrer Lieferanten drastisch senken. Ford etwa kauft heute noch von 2.000 Firmen zu. In Zukunft sollen es nur noch 750 sein. Kirchhoff wird weiterhin dabei sein, ist sich Kirchhoff-Stratege Schröder sicher. Nicht zuletzt, weil der Zulieferer global präsent ist.
Schon frühzeitig begann dieser, im Ausland Werke zu gründen. Folgte den heimischen Kunden, die ebenso Fabriken in der Ferne hochzogen. Und eroberte sich so auch neue Wachstumsmärkte.
Beispiel China. Hier eröffnet das Unternehmen in diesem Jahr schon sein zweites Werk. Hintergrund: Während in Deutschland auf 1.000 Einwohner 500 Autos kommen, sind es nur 17 in China. In der Volksrepublik fertigt Kirchhoff vor allem Instrumententräger für einen Wagen der Marke „Buick“ von General Motors, der in Schanghai vom Band läuft. Es ist ein Schwestermodell des Opel „Insignia“.
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| Kirchhoff-Stratege Ulrich Schröder: Das Auslands-Engagement stärkt deutsche Standorte. |
Obwohl Kirchhoff immer mehr im Ausland produziert, geht das nicht zulasten deutscher Arbeitsplätze. Schröder: „Das Auslands-Engagement stärkt die deutschen Standorte. Umgekehrt: Ohne eine starke Basis daheim funktioniert’s auch nicht.“
Natürlich profitiert auch Kirchhoff von der Abwrack-Prämie, wobei Schröder lieber den offiziellen Begriff „Umweltprämie“ verwendet: „Es wurden ja auch viele Dreckschleudern verschrottet.“
Der Fördertopf ist zwar inzwischen geleert. Doch die Förderung wirkt nach. Für 2009 zeichnete sich mit 3,8 Millionen Verkäufen die höchste Zahl seit dem Einheitsboom 91/92 ab. Und: Zuletzt legten auch wieder die Exporte zu, gegenüber Oktober 2008 um plus 8 Prozent.
Gute Nachrichten für tatkräftige Männer wie Boanan Saed, der gerade eine neue Fuhre Stoßstangen zusammenstellt. Bevor diese, fertig lackiert, an nagelneue Fiestas montiert werden. So schnell dürfte Saed die Arbeit nicht ausgehen. Der kleine Ford ist ein Verkaufsrenner.
Wilfried Hennes |